Resümee

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  • So, die ersten 6000km (ca800 Offroad) sind abgespult und daher Zeit für ein erstes Resümee.

    Richtig gut gefallen hat mir die im Vergleich zu meiner treuen 650er GS bessere Offroadeigenschaft. Da sind wirklich Welten dazischen!
    Vom Gewicht her tun sie sich allerdings nicht viel. Die GS war ein wenig leichter und dank des tiefen Tanks besser aufzuheben. Dafür legte ich mich damit aber öfter auf die Schnauze.

    Schotter:
    Die Tenere läßt sich auch für einen ambitionierten aber, talentfreien Irren wie mich wirklich gut führen. Ich konnte damit Strecken meistern die ich mir vorher nicht zugetraut hätte.
    Das Fahrwerk ist so wie es ist ausgezeichnet und bügelt so ziemlich alles weg. Der Knieschluß und die Sitzposition ist selbst für einen Scheinriesen wie mich mit 171 klasse! Die Maschine läßt sich hervorragend mit den Schenkeln führen und witzigerweise komme ich durch die schmale Taille (des Moppeds :D ) nicht viel schlechter auf den Boden als bei der breit gebauten GS. Mit tiefer Sitzbank und abgesenkter Vorspannung, aber trotzdem!
    Der Serienreifen macht seine Job im trockenen herrvorragend, ich habe nichts vermißt. Im Naßen ist schnell Ende Gelände. Da war der Karoo besser aber der war dafür auf Asphalt schlechter. Irgendwas ist halt immer.
    Die Ablesbarkeit vom Display fand ich im Stehen super. Schaltung und Bremse waren gut erreichbar und ließen sich perfekt bedienen.
    Das Ding ist auf Schotter ein Traum, da bin ich echt begeistert.


    Landstrasse:
    Hmm, ja, ok. Mittelmaß. Die langen Federwege mit der eher weichen Dämpfung verhindern wirklich beherztes Angasen.
    Beim Bremsen taucht die Maschine brutal ein. Im Dunkeln geht die Sicht dann durch das Absenken der Scheinwerfer runter auf 10m wodurch man immer kurz im Blindflug unterwegs ist.
    Ansonsten ankert die Maschine aber ordentlich, wenn auch nicht gut.
    Die größeren Räder gehen mit ein wenig Nachdruck kontrolliert runter, Korrekturen mögen sie aber nicht. Da braucht es etwas Entschlossenheit zu und man hat schnell Unruhe im Fahrwerk. Da war die BMW um Längen besser und trotz 20PS weniger besser geeigneter für ne ordentliche Kurvenhatz.
    Der Motor widerum selbst ist sehr gut, tolle jederzeit einschätzbare, fast lineare Leistungsentfaltung mit gutem Ansprechverhalten.
    Das auf Schotter optimierte Fahrwerk setzt halt Grenzen.
    Der Reifen ist in Ordnung. Solange es trocken ist, macht er brauchbar seinen Job. Man hat ein wenig taubes Gefühl und er liefert wenig Rückmeldungen. Jedesmal wenn er mir wegschmierte tat er das zwar völlig kontrollierbar aber ohne Vorankündigung.
    Das ist allerdings auch alles Jammern auf hohem Niveau, ich bin auf kurvigem Asphalt gerne äusserst zackig unterwegs.


    Reisetauglichkeit:
    Der tiefe Sattel ist nicht gerade optimal, aber geht. Ich beneide jeden der sich eine Rallysitzbank draufmachen kann. Ich werde wohl noch zu nem Sattler hier gehen und mir mein tiefe Bank umändern lassen, dann dürfte das auch besser werden.
    Aber das ist ja eh auch meist ein individuelles Problem, der Eine findet es unbequem, der Andere sitzt hervorragend.
    Spritverbrauch lag unter 140 so bei 4-5 Litern. Also top und für die allermeisten Gegenden der Welt auch von der Geschwindigkeit in Ordnung.
    Ich habe bei mir einen Adapter verbaut um die Frotscheibe höher zu bekommen. Ansonsten waren bei meiner Größe die Turbulenzen jenseits der 120 nicht auf Dauer auszuhalten. Dadurch steigt natürlich der Luftwiderstand und der Verbrauch.
    Aber nicht auf das was die Maschine da schluckt. Teilweise ging der Verbrauch so bei 160-170 auf 12Liter hoch. Das ist definitiv zu viel. Bei 140-160 schluckte sie meist gegen 7-9 Liter. Auch das ist nicht nachvollziehbar und ich habe den Eindruck, das ist auch nicht normal.
    Da würden mich Erfahrungen von Mitforisten mal interessieren. Irgendwie hab ich den Eindruck, da stimmt was nicht.
    Trotzdem ein herrvorragende Reisemaschine und dafür habe ich sie ja gekauft.
    Der Wetterschutz ist gut. Das Windschild, auch an Originalhaltern, hält ordentlich Wasser/Mücken/Dreck/Wind ab.
    Wenn jetzt noch die Zuverläßigkeit und Standfestigkeit meine Erwartungen erfüllen bin ich mehr als zufrieden. Habe einiges an Reisen mit der Maschine vor und es war je gerade die bewusste Einfachheit des Modells, welches mich überzeugte, Was man nicht hat, geht auch nicht irgendwo in Hinterkuckuckstan kaputt.
    Wird die Zeit zeigen ob dem so ist.

    Was hat mir nicht so gefallen? Um mal ein bisserl zu meckern ;)
    Das Display! Baaah! Klar, das Display im Roadbookstil sieht irgendwie cool aus, jaja. Aber eigentlich ist es eine dämliche Idee. Durch seine Größe, vor allem senkrecht, und sein Design nimmt es komplett unnötig viel Platz ein.
    Den man zum Beispiel für ein echtes roadbook gut brauchen könnte! So wandert das alles an die obere Stange (der ich eh nicht traue, so stabil wirkt die nicht) und sitzt da schon verdammt hoch. Im Sitzen geht da viel Sicht nach Vorne verloren. Das sehe ich als Design Fauxpas, hier folgt die Funktion dem design und nicht umgekehrt.

    Die Geschwindigkeitsangabe war auch mehr eine Schätzung. In der Regel wich sie so 8kmh (nach oben) vom GPS ab. Bei höheren Geschwindigkeiten auch mal 15. Da muss ich auch mal gucken ob das nicht ein Fall für die Garantie ist, ist mir etwas zu viel Abweichung.

    Der 12v Anschluss. Abesichert mit 2A ist das Ding nur für Navis oder zum Handyladen zu gebrauchen. Mal die Reifen aufpumpen ist schon Fehlanzeige. Hier muss ich mal gucken wo der Strom da so entlangläuft und gegebenenfalls ne dickere Sicherung verbauen.
    Für ein ernsthaftes Fernreisemopped ist das eher Optik.

    Was mir sonst gut gefallen hat:
    Das Licht! Das ist echt klasse, die Ausleuchtung ist super und man sieht ordentlich weit. Taucht halt ein beim ankern, davon ab ist das aber wirklich `ne super Sache.
    Ölfilter, Batterie, Sicherungen, Luftfilter oder auch LED-Lampen sind gut erreichbar. Das macht Sinn und man merkt dass sich da jemand gedanken über die Wartungsfreundlichkeit gemacht hat.
    Durch die andere Motoraufhängung sind da super Möglichkeiten alles mögliche anzuschrauben. Wie z.B. Sturzbügel. Gefällt mir gut.
    Das Heck wirkt stabil, die vorhandenen Aufhängepunkte für Träger sind `ne nette Sache.

    Alles in allem finde ich die Maschine trotz kleiner Abstriche klasse und bereue den Kauf in keinster Weise. Und hoffe mit ihr ordentlich in der Welt rumzukommen, Die stan`s sollen ja schön sein :)

    noch ein paar sonnige Bilder um den beginnenden Winter-Motorrad-blues etwas zu mildern



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    2 Mal editiert, zuletzt von Joff ()

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  • Da hadere ich noch mit. Da wäre sicher einiges drin, aber im Gelände finde ich es so wie es ist echt gut! Is auch wirklich Jammern auf hohem Niveau.

  • Ich würde es mal mit etwas strafferer Dämpfung probieren. Ich hab mich zuerst auch geweigert, hab die Dämpfung sogar Zeitweise komplett auf gemacht aber jetzt gehe ich eher den anderen Weg. Wirklich unkomfotabler wird sie dadurch Offroad nicht und vor allem lässt sie sich, wie ich finde, sicherer und besser handeln. Sowohl Offroad als auch für sportlicher es fahren auf der Straße. Härter wird sie ja dadurch eigentlich nicht, die Härte wird durch die Feder, nicht durch die Dämpfung bestimmt. Auch wenn man das immer denkt und es sich in gewisser Weise ja auch danach anfühlt. Einfach mal etwas herum spielen. Die Standarteinstellungen stehen ja im Handbuch, falls man wieder zurück will und alles schlechter gemacht hat. Aber das zu kritisieren ohne es ausprobiert zu haben ist unfair dem Möp gegenüber :brauen

  • Danke für den ausführlichen Beitrag, deckt sich auch mit meinen Erfahrungen.


    Nach nicht ganz 3000km, auch ein paar Bemerkungen von meiner Seite.

    Ich bin auch von der F650 GS Dakar gekommen, und da ist de T7 trotz 10kg mehr um einiges besser auf Schotter.

    Bei der Windschutzscheibe habe ich bis jetzt mit Puig Aufsatz experimentiert, das hilft deutlich ab 120 kmh.

    Nach der Einfahrphase wurde der Motor deutlich höher gedreht und damit ist zumindestens die Verbrauchsanzeige bei Autobahnfahrten auch in dem Bereich von >7l/100km.

    Im Durchschnitt bin ich immer noch bei ca 4.1 l aber ich würde auch sagen, dass sie bei höheren Drehzahlen ziemlich hohen Verbrauch hat.

    Das mit dem starken Eintauchen vorne bei harter Bremsung habe ich eher nicht, ich habe das Fahrwerk eher noch straff eingestellt.

    Ansonsten bestätige ich auch alle positiv erwähnten Punkte bezüglich Motor.

    Optimierungen brauche ich noch bei Sitz (zZt original) und hoffe, dass noch mehr Lösungen für die Windschutzscheibe kommen.


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  • Komisch, ich habe gar kein Problem mit dem Windschild so wie es ist. Ich habe den originalen Sitz und bin 192cm Groß. Fühle mich im Sitzen halbwegs wohl und der Wind kommt zwar am Helm an, bringt bei mir aber keine Verwirbelung. Vielleicht liegts bei euch auch mit am Helm? Oder wollt ihr vermeiden das jeglicher Wind am Helm drückt? Dann braucht ihr aber ein riesiges Windschild. Ich bin auch schon 150km Autobahnetappen mit 180km/h gefahren ohne große Probleme.

    Wenn man komplett hinter einem Windschild ist, finde ich das noch viel unangenehmer da ein Sog entsteht und man sich regelrecht vom Lenker weg drücken muss. Kenne ich so von der R1250 RT, der K1600GT und alles was riesige Scheiben hat. Mag ich gar nicht.

  • Vielen Dank für Deinen Bericht. Einfach schön zu lesen, wie man quasi aus dem Laden heraus auf Reisen gehen kann. Ein sehr typisches Tenere Verhalten.


    Auch interessant zu lesen, was alles mit dem Fahrwerk möglich ist:


    Man kann also das Fahrwerk so plüschig weich verdrehen, dass man ein leicht unpräzises Schaukelpferdchen erhält. Oder andersherum formuliert, ich fand bislang die Landstraßenperformance der neuen Tenere 700 ausgezeichnet. Auch das tiefe Eintauchen ist mir nicht störend aufgefallen. Und ich würde mich auf Landstraßen auch nicht als Hindernis bezeichnen.


    Letztendlich wird die Schwierigkeit bei der Abstimmung sein, wieviel Kompromiss man selbst ertragen kann oder eingehen möchte. Keiner wird sein Fahrwerk komplett verdrehen, wenn er an der Asphaltkante zum Absprung ins Abseits der Straße bereit steht.


    Persönlich habe ich noch immer eine "straffe" Straßeneinstellung, die meinem Empfinden nach mit den Rally STR, deren Straßenluftdruck, noch immer gut auf Schotter und handgroßem Geröll funktioniert. Das Straffe bleibt, es ist genügend Traktion vorhanden und ich kann über die Zeit ermüdungsfreier fahren. Mit plüschig weich geht mir empfunden zu viel Körperkraft ins Fahrwerk.


    Auch vielen Dank für die Bilder!

  • Fahrwerk ist Standard. Bislang wurde da nichts gemacht ausser die Vorspannung runter zu drehen.

    Es ist ja auch gut so wie es ist, aber eben nicht zu vergleichen mit einem reinen Strassenmopped und das sollte auch kommuniziert werden.
    Wer fast nur Asphalt fährt findet sicherlich ein besseres Motorrad.
    Es ist halt ein Kompromis. Hier, wie ich finde, ein sehr guter mit dem ich für meine Verhältnise optimal reisen kann. Aber was den Spassfaktor auf Asphalt angeht kommt die Mschine niemals an eine dafür ausgelegte Strassenmaschine ran.
    Ich wollte die nächsten Wochen mal noch aus Spass den TET Belgien fahren. Da werde ich das Fahrwerk mal anders einstellen und gucken, ob das Plus auf Asphalt für mich das Minus im Gelände rechtfertigt.

  • Joff

    Danke für deinen Erfahrungsbericht und viel Spaß weiterhin mit der Maschine. Ich denke etwas herumdrehen an den Druckstufen kann nicht schaden. Keine Ahnung ob es eine Lowspeed-Druckstufe gibt, aber falls ja würde ich die einfach mal zudrehen und so sollte sich das Bremsmoment weniger negativ auswirken.