Mein Dunlop SportSmart Mk3

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  • Hiho,


    hier soll es um meine Erfahrungen mit dem Dunlos SportSmart Mk3 gehen. Nach einer letzten ausgiebigeren Tour im Schwarwald vor 3 Wochen stand heute mein Reifenwechsel an. Kurz was zu allen Rahmenbedingungen:


    Mein neuer Schlappen ist der Dunlod SportSmart Mk3, den ich glücklicherweise in der Testfahrer-Aktion hier im Forum umsonst ergattern konnte. Da der Reifensatz ein Geschenk von Dunlop ist möchte ich dieser Steller erwähnen, dass ich kein Influencer bin, in keinerlei Geschäftsbeziehung zu Dunlop stehe und auch sonst nicht dazu angehalten wurde möglichst positiv über den Reifen zu berichten. Hier kommt nur meine ungefilterte Meinung. Falls ich den Reifen kacke finde werde ich das ungeschönt sagen genauso wie ich völlig ehrlich positiv berichten werde wenn ich den Reifen für (sehr) gut halte. Ich bin vorher ~10k km den Cra2Evo und danach ~9k km den Cra3 gefahren. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an den Dunlop SportSmart Mk3 (im Folgenden Mk3). Falls ihr weitere Informationen zum Mk3 haben wollt findet ihr die hier auf der Herstellerseite.


    Die Reifen wurden Anfang Mai geliefert und jetzt (29.5.2021) von mir aufgezogen. Ein paar (unwichtige) Details: der Reifen hat sich sehr gut aufziehen lassen. Für Aufziehen und Wuchten von VR u. HR habe ich ca. ~60min benötigt, obwohl es der erste Reifensatz ist, den ich (mit Hilfe) selber aufgzogen habe. Der Reifen bzw. das Profil ist hübsch und das Gummi fühlt sich gut an :brauen


    Aufgrund der Bewerbung des Mk3s als "Hypersport-Reifen" mit "90% Landstraße und 10% Rennstrecke" (hier) sind meine Erwartungen ziemlich sportlich orientiert:

    • Gripp
    • Agilität
    • Feedback

    D.h.: ich erwarte einen Reifen, der gut klebt, der mir sagt wie gut er gerade klebt und sich sehr einfach von Kurve zu Kurve schmeißen lässt. Laufleistung ist für mich persönlich eher eine sekundäre Eigenschaft für die gilt: je mehr desto besser aber solange >~6k km ist es okay.


    Mein Vergleich: die beiden oben genannten Contis. Was ich an der direkten Konkurenz geschätzt habe:

    • Neutralität
    • Grip

    Die beiden Contis waren immer so neutral, dass ich mich manchmal gefragt habe ob ich gerade überhaupt Feedback kriege. Die kleben einfach. Punkt. Das war anfangs zwar ziemlich geil aber während den letzten paar tausend Kilometern habe ich angefangen Feedback zu vermissen. Anders ausgedrückt möchte ich einen Reifen mit etwas Charakter. Ich möchte fühlen wie der sich gerade verhält. Der Conti bügelt einfach alles flach und babt dabei, was die Sache für mich in mancher Situation schon fast wieder etwas unsicher macht. Klingt komisch, ist aber so.


    Ich bin heute die ersten 70km gefahren. Was mich direkt positiv überrascht hat ist die hervorragende Eigendämpfung des Mk3s. Außerdem habe ich trotz dem Umstiegs von einem spitzgefahrenen, und damit kippeligen, Cra3 das Gefühl, dass der Mk3 ein sehr agiler Reifen ist. Er lässt sich sehr einfach in Schräglange bringen ohne nervös zu wirken. Obwohl Dunlop im Gegensatz zu Conti Trennmittel bei der Herstellung des Reifens verwendet ist mir diesbezüglich nichts aufgefallen. Ich bin allerdings auch nicht sonderlich tief gefahren. Mein erstes Gefühl zum Mk3 ist positiv und ich freu mich drauf zu schauen was der Reifen so kann. Morgen gehts auf die erste größere Runde. Ich werde in diesem Thread berichten und diesen Startbeitrag immer wieder mit Links zu Erfahrungsberichten von mir versehen. D.h. ihr könnt hier gerne auch mitdiskutieren.


    Grüße,


    Post #1 (erste kleine Runde)

    Post #2 (sportlich prügeln)

    :boingser:boingser:boingser

    2 Mal editiert, zuletzt von Royber ()

  • Deine Meinung, von einem Reifen etwas Feedback erhalten zu wollen, teile ich.


    Zum Beispiel fahre ich aus dem Hause Pirelli/Metzeler lieber den Roadtec 01, als den Angel GT.


    Der Pirelli rollt sich einfach irgendwie ab, er hält, aber beim Metzeler fühlt man regelrecht die Verzahnung mit der Fahrbahn und das schafft mehr Vertrauen, neben der besseren Eigendämpfung.


    Ist halt eine "Popometer"-Geschichte.

  • So. Gestern bin ich die erste (kleine) Runde mit ~180km gefahren. Es waren einige sehr schöne Kurven mit meistens gutem bis manchmal mittelmäßigem Straßenbelag. Ich bin positiv überrascht wie wenig ich von den Trennmittelresten (aka. "Angststreifen") auf dem Reifen gemerkt habe. Nämlich gar nichts. Am Grip gabs nie etwas auszusetzen. Da meine Fahrweise gestern aber noch sehr moderat war ist das bisher auch kein Thema und es ging mir erstmal um andere Eigenschaften. Ich fahre übrigens nach Dunlopvorgaben mit 2.5/2.9.


    Im Wesentlichen kann ich das wiedergeben, was ich im ersten Post schon geschrieben habe. Ich finde die Eigendämpfung im direkten Vergleich zum Cra3 echt klasse. Dabei bleibt der Mk3 gefühlt sogar transparenter. Der Mk3 ist mindestens genauso agil wie ein spitz-gefahrener Cra3 und dabei weniger nervös. Der Reifen geht super einfach in die Kurve aber bleibt auch genau in der Schräglage, in die man ihn positioniert.


    Ich hatte bisher noch nicht die Möglichkeit den Reifen ausgiebig zu testen. Bisher ist es eher so ein Gefühl und das ist wirklich positiv. Sehr transparent und neutral.

  • Letzten Mittwoch habe ich den Mk3 ausgiebig unter hoher Belastung auf einer Steige getestet. Der Asphalt ist sehr gut, es gibt einige enge und ein paar weite Kurven, die Strecke kenne ich sehr gut, die Straße war sehr sauber. Das Wetter war hervorragend mit ca. 23°C und leichter Bewölkung, die Straße war warm (13:00 Uhr Ortszeit). Ich bin mehrmals unvernünftig schnell rauf und runter gefahren wobei ich insgesamt auf ca. 80km gekommen bin. Motto war: je mehr Schräglage desto besser. Bei der Ankunft habe ich erstmal eine ungefähr 30-minütige Pause im Schatten gemacht, um die erste Runde auf kalten Reifen zu drehen.


    Vorne weg: der folgende Abschnitt liest sich dramatischer als es ist. Eine Erklärung folgt weiter unten.

    Gefühlt war auf der ersten Abfahrt das Hinterrad etwas schwammig was sich durch leichtes "Schwimmen" in Kurven bemerkbar gemacht hat. Beim Cra3 ist mir das nie aufgefallen weswegen ich momentan davon ausgehe, dass der Mk3 einfach noch nicht warm war was auch nicht verwunderlich ist, weil das Motorrad bis zur ersten Kurve ~500m bewegt wurde. Nach den ersten paar Kilometern war das Schwimmen weg. Merke: Reifen kurz warmfahren.

    Das klingt jetzt schlimmer als es war. Wenn man das in Relation setzt hat sich der Reifen in 21 Kurven auf 5km in insgesamt 5 Sekunden etwas komisch angefühlt. Gefährlich wurde es nie und bei normaler Fahrweise hätte ich gar nichts bemerkt. Es hat sich bei tieferer Schräglage allerdings manchmal ganz kurz so angefühlt als ob man auf einer Matraze fahren würde. Normalerweise prügelt man einen kalten Reifen auch nicht direkt ab der erste Kurve. Aber genau das wollte ich testen. Objektiv(er) betrachtet war ich sehr beeindruckt davon, wie gut sich der Mk3 in völlig kaltem Zustand fahren lies. Der Reifen war sehr wendig, klebte an Ort und Stelle und fühlte sich sehr transparent an. Diese Begriffe werden sich wohl immer wieder wiederholen aber so ist das nun mal wenn der Reifen so gut funktioniert.


    Nach so 5km war die Abfahrt beendet und es ging richtig los. Der Mk3 war sehr unauffällig und liefert sehr guten Grip. Gerutscht ist in Schräglage nie etwas auch bei heftigem Bremsen in die Kurve rein oder beim digitalen Rausbeschleunigen. Der Mk3 hat mir vor allem wegen seiner Zurückhaltung gefallen. Das Gefühl für die Straße liegt eher im Hintergrund und lässt sich hervorragend unterbewusst wahrnehmen. Trotzdem ist das Gefühl auch bewust abrufbar falls notwendig. Dadurch konnte ich mich richtig gut einfach nur aufs Fahren konzentrieren und wenn in Kurven mal was nicht gestimmt hat bemerkte ich das trotzdem sofort. Was der Mk3 dem Cra3 voraus hat ist für mich dieses Feeling. Während ich mich auf dem Cra3 manchmal etwas "abgeschirmt" von der Straße gefühlt habe fühl ich den Boden auf dem Mk3 sehr direkt im Hinterkopf. Das gefällt mir richtig gut weil ich die Eigendämpfung des Mk3s trotzdem als höher empfinde. Klingt widersprüchlich, ist es auch, ich habs trotzdem so wahrgenommen. Vielleicht war ich auch betrunken.


    Nach der Runde habe ich mir den Reifen mal genauer angeschaut. Der Cra3 tendiert dazu zu fusseln, wenn man ihn mal länger härter anfasst. Der Mk3 sah super aus:

    Bitte melde dich an, um diesen Anhang zu sehen.


    Joa. Soweit ich das beurteilen kann taugt der sportliche Teil der Mk3-DNA fürs sportliche Fahren auf der Landstraße wirklich exzellent nachdem der Reifen kurz warmgefahren wurde. Ich bin sehr gespannt wieviel KM der Reifen mitmacht. Bei der nächsten Runde werde ich nochmal verstärkt auf das Schwimmen achten. Wenn das Wetter hinhaut gehts Ende nächster Woche in den Schwarzwald wo ich die "sportliche Tour"-Komponente des Mk3s testen möchte.

  • Sööö ... Seit meinem Urlaub in den französischen Alpen sind ungefähr 2 Wochen vergangen. Wir sind vier Tage lang alles nennenswerte und unbekannte nord-, ost und südlich von Barcelonnette gefahren. Es war alles dabei. Von rennstreckenähnlichem Belag und ebensolchen Kurven über Abschnitte, die ich nichtmal als Straße bezeichnen würde, von knallender Sonne bishin zu Regen, mal entspannt tourig, mal adrenalingeladen führerschein- und lebensgefährdend, von kleinsten Gässchen in süßen französischen Dörfern bishin zum höhsten befahrbaren Alpenpass. Viel Aktion für vier Tage. Insgesamt sind wir da unten knapp 1000 Kilometer gefahren. Tageslicht- und temperaturtechnisch wäre mehr gegangen aber 250km pro Tag wortwörtlich nur Pässe machen den Kopf ziemlich matschig und wir waren jeden Tag froh nicht noch mehr gefahren zu sein. Falls ich Lust hab und Interesse besteht widme ich dem Urlaub einen eigenen Thread den es gibt eigentlich echt viel zu erzählen. Die Gegend da unten ist wunderschön (nicht nur zum Motorradfahren).


    Kommen wir zum Reifen. Der hat jetzt in etwa 2500km drauf und vorne noch 3.7mm und hinten noch 4.5mm Profil. Ja was soll ich sagen ohne das in diesem Thread und dem von  johannes schon oft genannte zu wiederholen. Der Reifen fährt sich sehr komfortabel. Man spürt was zwischen Reifen und Untergrund abgeht und trotzdem dämpft er Unebenheiten komfortabler weg als der CRA3. Irgendwie bleibt mir diese Eigenschaft immer sehr präsent im Kopf wenn ich unterwegs bin. Keine Ahnung wieso. Ich hab mir darüber ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht. Gefällt mir jedenfalls sehr gut.


    Reifenprügeln: der Col d'Izoard gehörte zu meinen Highlights diesen Urlaub. Wenn auch rennradfahrerverseucht ist die Nordrampe phänomenal hoch und runter zu fahren. Die Gelegenheit haben wir natürlich genutzt den Abschnitt auf Herz und Nieren zu prüfen. Dort stehen übrigens auch nette Fotografen, die Fotos von einem machen, die man dann auf deren Website kaufen kann. Ich erwäge eine Karriere als Model. Aber weg von meinen wunderschöne Augen und zurück zum Reifen. Bei ~28 Grad im Tal und Sonnenschein war es mir nicht möglich den Reifen auch nur annähernd so aussehen zu lassen wie einen CRA3 unter hoher Belastung. Von solchen Misshandlungen gibts inzwischen ja mehr als genug Bilder. Der Sportsmart sah ziemlich genau so aus wie unter ähnlichen Bedingungen von johannes hier gezeigt. Leicht angeraut aber nicht wirklich der Rede wert mit minimaler Sägezahnbildung. Ein signifikanter Vorteil meiner Meinung nach. Außerdem habe ich wieder gemerkt, dass ich mit dem Sportsmart unter solchen Bedingungen "einfach fahren" kann. Ich hab ständig gutes Feedback, das sich aber nicht aufdringlich präsentiert. Ich hatte während dieser Tour jederzeit volles Vertrauen in den Reifen. Gerutscht, geschmiert oder geschlingert hat nie etwas trotz digitaler Drosselklappenstellung und tiefes in die Kurve bremsen. Ohne Rennstreckenerfahrung zu haben würde ich sagen, dass man den Reifen als "Gelegenheitrennstreckenfahrer" dort durchauß mal fahren könnte.


    Regen: Die letzten 100 km einer Tour mussten wir im Regen absolvieren. Dazu will ich gar nicht viel sagen den der Reifen verhielt sich extrem unauffällig. Auf nassem Bitumen rutscht einfach jeder Reifen aber sobald wieder normaler Asphalt drunter ist bleibt er selbst bei nasser Straße bei moderater Schräglage wo er ist und verliert niemals sein Feedbackfähigkeit. Ich hab dem Reifen so vertraut, dass ich zügiger durch die Kurven bin als einige Schlachtschiffe aka. GS oder Multistrada und auch Autos. Dabei hab ich natürlich trotzdem relativ langsam und vorsichtig gemacht aber ich hatte einfach nicht das Gefühl, dass ich gerade durch die Kurven fahren müsste.


    Kalte Straße: ein Passauffahrt morgens haben wir auf der sonnenabgewandten Seite absolviert. Hier habe ich gemerkt, dass ich den Sportsmart warm fahren muss und, dass er unter, für mich, mieserabelsten Bedingungen etwas schwammig wird. Kurze Erklärung: steinigt mich aber ich bin Schönwetterfahrer. Für mich sind miserabelste Bedingungen morgens, also kalte Straße, Temperatur < 7°, Schatten, leicht feuchte Straße. Unter solchen Bedingungen fährt der Sportsmart immernoch völlig "normal", also wie oben beschrieben, wenn mans tourig angehen lässt. Ich fahr auf guten Straßen allerdings gerne zügiger und habe deshalb trotzdem mal etwas mehr Gas gegeben und habe den Reifen zwei Mal beim Beschleunigen aus der Kurve zum Rutschen gekriegt. Das ist vielleicht nicht verwunderlich und würde wahrscheinlich mit jedem Reifen passieren, ich wills trotzdem erwähnen. Für mich kein Contra-Argument weil man völlig normal fahren kann aber mir war wichtig zu wissen, dass unter solchen Situationen der Reifen "das Limit" setzt. Natürlich muss der Fahrer das Motorrad und den Reifen der Situation entsprechend angepasst verwenden aber bei guten Bedingungen (s.o.) prügel ich einfach drauf los und gut ist. Unter (für mich) schlechten Bedingungen muss ich "bewusst" fahren und wirklich aktiv drauf achten was der Reifen noch mitmacht. Mit dem CRA3 gings mir allerdings ganz genauso.


    Miserable Straßen: ja gut. Wenn die Straße mehr aus Felsen besteht als aus Asphalt macht ein Tourensportreifen halt zu. Ich bin zwar gut durchgekommen aber bei Kies auf der "Straße" und Kurvenradien gefühlt im Zentimeterbereich ist jede Straßenmaschine mit jedem Reifen am Ende. Kopfsteinpflaster in kleineren Dörfern verhalten sich ähnlich. Spielt für mich allerdings keine Rolle weil ich in dutzenden tausend Kilometern vielleicht mal eine Hand voll Kilometer auf solchen Straßen fahre.


    Fazit: mega guter Reifen. Pässe und Kurven schrubben geht hervorragend, tourig fahren ebenso. Ich hatte etwas die Befürchtung, dass der Reifen über den Urlaub zu viel Profil verlieren wird aber das hat sich nicht bewahrheitet. Hochgerechnet müsste der Reifen irgendwo zwischen 6-8k km halten. Er hat Grip ohne Ende, macht unter den Bedingungen für die er gemacht wurde mega Spaß und fühlt sich dabei richtig gut an. Ich kanns nur nochmal wiederholen: wenn er nicht doch deutlich weniger KM als der CRA3 halten sollte werde ich ihn mir wieder aufziehen.

  • Deckt sich echt ziemlich mit meinen Beobachtungen.

    Wie siehst du das Verhalten bei unglücklichen Fahrbahneigenschaften? Hatte am vergangenen Wochenende 2 kurze Touren und ein paar kleinere Rutscher, die aber immer von unglücklich positionierten Rissen im Asphalt, Spurrillen, Bitumenstreifen usw. ausgelöst wurden. Also auch wieder etwas, wo jeder Reifen rutschen würde. Nur macht der Mk3 das für mich ziemlich entspannt, so in Richtung "Ajo, da war die Fahrbahn grad doof. Weißte für's nächste Mal, ne?" Rutschen ja, aber es kommt keine Aufregung rein.

    Ich werde übrigens nach dem Reifen nochmal zurück auf den CRA3 wechseln. Habe noch nen fast neues Vorderrad, was abgefahren werden will. Da gibt es dann also auch den Vergleich in der anderen Richtung.

  • Wie siehst du das Verhalten bei unglücklichen Fahrbahneigenschaften? Hatte am vergangenen Wochenende 2 kurze Touren und ein paar kleinere Rutscher, die aber immer von unglücklich positionierten Rissen im Asphalt, Spurrillen, Bitumenstreifen usw. ausgelöst wurden. Also auch wieder etwas, wo jeder Reifen rutschen würde. Nur macht der Mk3 das für mich ziemlich entspannt, so in Richtung "Ajo, da war die Fahrbahn grad doof. Weißte für's nächste Mal, ne?" Rutschen ja, aber es kommt keine Aufregung rein.

    Würde ich auch so sagen. Der macht das sehr entspannt mit ohne Panik zu verursachen. Hab schon überlegt ob das auch damit zusammenhängt, dass der Reifen sehr gut dämpft. Ich kriegs nicht so richtig formuliert aber ich probiers mal: der Reifen wirkt auf mich beim Fahren sehr transparent gibt das Feedback aber eher unaufgeregt. So nach dem Prinzip wie der Vorgesetzte, der dir bei einem Fehler sachte auf die Finger klopft und dir sachlich erklärt, dass du eigentlich gerade riesen Bockmist veranstaltet hast vs. der Vorgesetzte, der dich mit pochender Halsschlagader in Grund und Boden brüllt. Der Sportsmart ist für mich eher ersteres. Du merkst alles aber das Feedback kommt mit so einer Ruhe, dass ich mit dem Kopf weiter beim Fahren bleiben kann und nicht in Panik verfalle. Das klingt alles sehr anthropomorph (Objekten Gefühle zuschreiben) und lässt den Reifen schon fast intelligent wirken aber genauso fühlt es sich für mich an.

  • Ja, weiß auch nicht, wie man das treffender beschreiben kann.

    Der von dir beschriebene zweite Chef ist übrigens der BT023 nach meiner Erfahrung.

    Der CRA3 rutscht etwas aggressiver als der Mk3, aber sicherlich nicht schreckhaft.

  • Ich habe das große Glück, ab und zu bei Reifentests von http://www.mopedreifen.de mitfahren zu dürfen, da werden identische Motorräder mit unterschiedlichen Reifen ausgerüstet, man kann die Reifen direkt miteinander vergleichen. Manchmal werde ich auch von Reifenherstellern eingeladen, da werden unterschiedliche Motorräder mit den gleichen Reifen ausgerüstet, wenn diese neu vorgestellt werden. Da vergleicht man eher die Motorräder untereinander, so ist mir auch schon eine MT07 (und 9 und 10) untergekommen, seit 2020 haben wir auch privat eine MT07 und meine Frau gibt die nur selten her (wenn sie getankt werden muss zum Beispiel)


    Ich habe jetzt mit großem Interesse die Beiträge von Royber zum Dunlop gelesen, das ist wirklich unterhaltsam geschrieben und ich werde auf gar keinen Fall daran rumkritteln, was ergänzen oder Stellung dazu nehmen. Das ist sein Bericht und fertig.


    Ich will aber darauf hinweisen, dass da möglicherweise die Erinnerung an den bisherigen, nicht mehr neuen Reifen als Vergleichsgrundlage dient und eine neue Pelle, die noch die Kontur hat wie es sich der Hersteller vorstellt, den Vorteil des aktuelleren Eindrucks hat. Jeder Reifen wird irgendwann eine Form annehmen, die von der individuellen Fahrerei des Besitzers geprägt wird, während Neureifen Form und Abrollverhalten haben, wie sie konstruiert wurden. Das wissen wir aber alle, wenn wir einen abgefahrenen Reifen gegen den gleichen in neu tauschen, fällt das schon auf, dass man auf einmal ein neues Motorrad hat.


    Was ich aber für persönliche Meinungen halte sind Aussagen von "aggressiverem Rutschen" und das Gejammere über den OEM BT23.


    Die Yamaha MT07 ist ein sehr gutmütiges Motorrad, welche mit allen Reifen hinkommt (im Gegensatz zur Yamaha XTZ 1200 Super Tenere) Wenn es da Beschwerden über Reifen und deren Eigenschaften im Trockenen gibt, behaupte ich mal, das liegt nicht an der Hardware. Wir haben den BT23 der bei Auslieferung im Juli 2020 drauf war noch drauf und da gibts nix zu meckern. Wer Wert auf Regenperformance legt nimmt eh entweder Metzeler Roadtec01 oder Michelin Road5.


    Wer sich auf Dunlop, Conti, Bridgestone, Metzeler oder Pirelli wohlfühlt ... warum nicht? Es gibt auch positive Berichte über einen Reifen von Mitas (den ich aber noch nicht gefahren bin und nix dazu sagen kann)


    Was mich aber immer stört, sind begeisterte Berichte über einen Reifen, die mit abwertenden Urteilen über andere enden oder mit dem Satz: "ich habe meinen Reifen gefunden!"

  • Hansemann....da stimme ich Dir voll und ganz zu.

    ich kann mir auch gut vorstellen, dass nicht jeder Fahrer immer gleich gut "drauf" ist....also sich das persönliche Empfinden auch kurzfristig ändern kann. Dazu kommt, dass die meisten von uns hier im Forum "Hobbyfahrer" sind.

    Für den täglichen (und STVO-konformen) Einsatz gibt es vermutlich gar keine ganz schlechten Reifen.

    Allzeit gute Fahrt

  • Hansemann

    Stimme dir prinzipiell zu, dass ein direkter Reifenvergleich etwas schwer ist. In meinen Augen gibt es aber Aspekte, die sich über der Laufdauer nicht wirklich ändern. Abrollgefühl und Verhalten an den Haftungsgrenzen ist für mich ein Teil davon. Einlenkverhalten, "Kippeligkeit" und sowas ist natürlich massiv vom Verschleißbild abhängig.

    Bei meinen Vergleichen zum CRA3 basieren die Beschreibungen zum einen auf mehreren Sätzen von diesem Reifen und zum anderen auf den unmittelbaren Erfahrungen mit einem unter 2000km alten Vorderreifen. Hinten schon eher kurz vor Ende, aber der hintere ist auch in anderen Situationen relevant als der vordere.

    Zum BT023M muss ich dir etwas widersprechen. Ich habe den auch komplett runter gefahren und nicht frühzeitig weggeschmissen. Im Trockenen und bei Umgebungstemperaturen über 10, besser 15°C stimme ich dir zu. Da ist der relativ unauffällig. Bei nem Bitumenstreifen oder anderweitig schlechter Haftung der Straße zuckt er aber auf eine Weise, die im Vergleich zu anderen Reifen weniger Sicherheit vermittelt. Und bei Nässe oder Nässe+kalt rutscht der Reifen wirklich sehr leicht. Ich sage nicht, dass man ihn da nicht kontrollieren kann. Aber es ist eine sehr aufgeregte Sache. Unter anderem, weil man vorm Rutschen quasi keinen Hinweis bekommt, dass es bald anfängt zu rutschen.


    Möchte jetzt aber auch nicht den Thread hier weiter zuspammen :)

  • Man muss bei einem neuen Reifen auf jeden Fall im Kopf behalten, dass der alte abgefahren war. Mein CRA3 hatte beim Wechsel eine richtig schöne Spitze drin und ist deswegen übernervös in die Kurven gekippt. Mir ist klar, dass das nicht repräsentativ für den Reifen als Ganzes ist. Allerdings habe ich mit dem Reifen auch viele tausend Kilometer hinter mir und ich habe ihn immer wieder bewusst getestet, d.h., Abschnitte mehrmals fahren und drauf achten wie sich der Reifen verhält. Das berücksichtige ich beim Schreiben.


    Den BT023M habe ich überhaupt nicht erwähnt weil ich den Reifen das letzte mal vor über 20k km und nur für sehr kurze Zeit gefahren bin. Weil meine Vorderradfelge gewechselt werden musste (Delle wegen Bortstein wegen Ausweichen eines Busses) und der Reifen auch hinüber war habe ich damals direkt den CRA2Evo aufgezogen.


    Ich glaube solange man zu einem Tourensportreifen der bekannten Hersteller greift kann man heutzutage eh nicht mehr viel falsch machen. Was wir hier betreiben ist ein Vergleich im Epsilonbereich. Wenn ich ne Wertung aufstellen müsste hätte der CRA3 96/100 Punkten und der MK3 98/100. Ich bin mir auch ziemlich sicher nirgendwo gesagt zu haben, dass der CRA3 ein schlechter Reifen wäre. Mir macht es Spaß die beiden Reifen gegenüberzustellen und deren Eigenschaften zu vergleichen. Den beide machen ihren Job richtig gut nur eben auf leicht unterschiedliche Arten und Weisen. Die versuche(n) ich/wir herauszufinden. So als Hobby könnte man sagen ;)

  • Hans, Johannes, Daniel, (und wer sonst noch alles hier mitschreibt ;-)),


    Leider bin ich kein Reifenexperte und werde wohl auch keine Gelegenheit dazu bekommen. Deshalb bin ich genau auf solche Threads wie diesen hier angewiesen. Ich finde Eure kontroverse Diskussion sehr interessant und lehrreich. Macht ruhig weiter so :rocker

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