ErFahrungsBericht Tracer 7 - und wie es dazu kam

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  • Hallo zusammen,


    knapp einen Monat habe ich die Tracer 7 und gebe hier meine ersten Eindrücke wieder, die zwangsläufig gefärbt sind von meinen letzten Moppeds, die alle schwerer und stärker waren: VFR 800, 12er Bandit, R1100S, Sprint GT. So erinnert mich die 7er i.S. Kraftentfaltung, Fahrwerk und Gewicht eher an mein drittes Motorrad einer SV650S vor 20 Jahren.


    Da die Sprint nach über 70.000 km einen Getriebeschaden hatte und eine Reparatur sich für mich nicht lohnte, sollte es im September 2021 eine Tracer 9 GT werden. Leider gab es nur eine einzige im Umkreis und die Sprint wollte der Händler nicht in Zahlung nehmen. Deshalb habe ich noch den Winter abgewartet in der Hoffnung, dass sich die Situation normalisiert. Weit gefehlt.


    Also alles auf Anfang. Neuorientierung: Bei einem anderen Händler konnte ich eine 7er zur Probe fahren. Erster Eindruck: wie ein Fahrrad, fast 90 kg weniger als die Sprint, mit gutem Motor. Das war dann die Alternative, zumal dieser Freundliche die Sprint auch in Zahlung nahm. Meine 7er in Wunschfarbe (Zulassungsbescheinigung Teil 1, datiert am 19.4.22) habe ich am Freitag, 22.4. bei ihm gesehen, wurde bereits am Montag, 25. 4. Zugelassen und von mir am 30.4. abgeholt. Die war also kaum da und schon wieder weg, Glück gehabt, die Saison war für mich gerettet. Die derzeitigen Bestände bei den Händlern sind sehr übersichtlich und die Lieferzeiten lang. Zur 1.000er Inspektion war der Showroom halb leer und von den Motorrädern, die noch da waren, lag auf der Hälfte "Bereits verkauft"-Schilder.


    Zwei Gepäckhaken und einen Gepäckträger habe ich gebraucht erstanden, SW Blaze Pro Gepäcktaschen von der Tante und Hauptständer, Tankrucksack Travel, Heizgriffe und Navihalterung fürs Smartphone beim Freundlichen geordert. Die Navihalterung incl. Smartphone (die Dinger werden immer größer) kollidiert allerdings mit dem Tankrucksack, so dass ich wieder mein TomTom mit RAM Mount Gelenk am Lenker angebracht habe, das passt halbwegs. Stromversorgung über die Smartphonehalterung. Ursprünglich wollte ich auf calimoto Navigation wechseln, verschiebe das jetzt aber, bis ich mir eine geeignete Halterung besorgt oder gebaut habe.


    Mit der Tracer bin ich jetzt knapp 3.000 km, davon über 1.000 im Soziusbetrieb, gefahren. Weserbergland, Sauerland und Eifel. Autobahnen vermeide ich grundsätzlich, aber mit der Tracer machen sie auch nicht so viel Spaß, weil die Windgeräusche aufgrund von Verwirbelungen doch sehr heftig sind und auf Dauer nur Ohrenstöpsel oder Schwerhörigkeit helfen. Ich ziehe übrigens Ersteres vor.


    Der Windschutz ist doch schlechter als auf der Sprint oder der BMW, Scheibe oben: noch mehr Turbulenzen, Scheibe unten: Turbulenzen und noch mehr Viecher auf dem Visier. Die Scheibe müsste wahrscheinlich schräger stehen um die Verwirbelungen zu vermeiden. Bei Zeiten werde ich einen Test ohne Scheibe machen.


    Seitenwindanfälligkeit ist bei böigem Wind ordentlich, aber das war zu erwarten.


    Bei meiner Griffheizung ist das Bedienfeld im Handgriff auf der Ebene des Blinkerschalters integriert und etwas erhaben, somit wird der Weg zum Blinkerschalter für meinen Daumen länger. Das ist gewöhnungsbedürftig, genau wie der Schalter der Hupe, der direkt daneben liegt und den ich beim Blinken schon mal mit betätige. Bei vollem Linkseinschlag mit dem Yamaha Tankrucksack hupt manchmal das Mopped, kein großes Problem, nervt nur.


    Gleich zum Tankrucksack: nur in der hintersten Position auf der Tracer zu gebrauchen, weil er sonst den Lenkeinschlag behindert. Dafür ist zwischen Tankrucksack und meinem Bauch (normaler Umfang) noch mindestens 10 cm Platz. Das hätte man besser lösen können. Von mir keine Empfehlung für den Tankrucksack, habe vorerst aber keine Alternative.


    Obwohl die Sitzhöhe 2 cm höher ist als bei der Sprint, habe ich, dank der schmaleren Sitzbank, einen besseren Stand. Der Kniewinkel ist sehr angenehm, das gilt auch für den Soziusplatz.


    Das Fahrwerk ist dem Preis geschuldet, nicht komfortabel und teilt (im Lieferzustand) ordentlich ins Kreuz aus, habe jetzt keinen Bock mehr auf schlechte Straßen und in der Eifel gibt es viele davon. Mit Sozia wurden die Einstellungen ab 1.500 km geändert (Federbein: Federvorspannung auf 6 und Zugstufendämpfung halbe Umdrehung vor rechten Anschlag, Gabel: 6 Umdrehungen rein (1 cm draußen), Zugstufendämpfung auf 2 Klicks von Position a). Fährt sich besser und etwas komfortabler, schaukelt sich jedoch im Soziusbetrieb durchaus etwas auf. Fahre die Einstellungen auch im Solobetrieb, hier sind sie deutlich besser, damit bin ich dann erstmal zufrieden. Leider war kein 17er Schlüssel zur Änderung der Federvorspannung der Gabel im Bordwerkzeug, bin zum Freundlichen in der Eifel gefahren, der half.


    Der Sitzposition und dem Platzangebot (die Sitzbank ist wesentlich kürzer als bei der Sprint) geschuldet, schlagen die Helme im Soziusbetrieb des öfteren aneinander. Das war bei den anderen Bikes angenehmer.


    Der Motor ist für seine Größe prima und reicht völlig für den Betrieb auf der Straße aus. Lediglich im Soziusbetrieb wünscht man sich manchmal mehr Krawumm. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Allerdings muss man mehr schalten und eine falsche Gangwahl wird schon mal bestraft.

    Die Vibrationen nerven nicht, sind ok.

    Der Verbrauch ist echt moderat, mit Sozius: gut 4, ohne: knapp 4 Liter.

    Bisher keinen messbaren Ölverbrauch.


    Die Bremsen sind ok, aber der Druckpunkt könnte klarer sein; wünsche mir für schärfere Beläge.


    Die Erstbereifung, Michelin Pilot Road 4, passt zur Tracer. Bei Nässe bin ich nur wenig gefahren, das Verhalten kann ich daher noch nicht umfassend beurteilen. Der Bereifung kommt das geringe Gewicht zu Gute. Mehr vielleicht später.


    Kurven sind DAS Wohlfühlareal der 7er. Bisher ließ sich nur die SV, allerdings mit mehr Schräglagenfreiheit, so leicht durch die Kurven scheuchen wie die Tracer. Ein wirklich einfach zu fahrendes Mopped, schafft schnell Vertrauen. Aber: der aufrechten Sitzposition ist geschuldet, dass man subjektiv nicht so sportlich unterwegs ist wie auf der Sprint, da man bei gleicher Schräglage nicht so nah am Asphalt ist. Der Hauptständer setzt früh auf, Angstnippel auch, aber die geben wenigstens noch nach. Überlege ernsthaft, ob ich den Hauptständer wieder abbaue.


    Den Auspuff finde ich schon etwas hässlich, aber der bleibt dran. Ich bin nicht so der Umbauer.


    Die Anzeigen im Display sind toll zu sehen, auch bei Sonne. Die Schrift ist groß und die Funktionen sind übersichtlich, mehr brauche ich nicht. Die Tankanzeige ist jedoch verwirrend, da wünscht man sich ja fast wieder einen Reserveschalter. Man fährt 20 km auf dem letzten Balken, stellt das Mopped aus und dann wieder an, leuchten zwei Balken und das für mehr als 20 km. Abweichung Tachoanzeige zum Navi bei gleichbleibender Geschwindigkeit liegt im normalen Toleranzbereich.


    Connectivity mit meinem Smartphone würde mich nur stören, kein Verlust für mich. Fahrmodi habe ich noch nie vermisst und Traktionskontrolle halte ich bei einem 73 PS Mopped für obsolet. Also alles richtig.


    Fazit: ein rundum gelungener Allrounder mit leichten Schwächen. Kann alles zufriedenstellend und man hat seinen Spaß damit. Für mich ist das auch: back to the roots. Sie hat - bis auf die Sitzposition - doch einige Gemeinsamkeiten mit der SV. Wenig Gewicht und einen ordentlichen Motor und macht viel Spaß. Aber, die Bemerkung sei erlaubt, die 9er ist für mich der bessere Tourer, allerdings auch zu einem deutlich höheren Kurs. Die Sozia sei mit den Worten zitiert: Die Tracer wäre halt anders, relativ gute Sitzposition aber ein paar PS würden nicht stören.


    Der Hepco Becker Gepäckträger war im Nachhinein eine sehr gute Entscheidung, er hält die Gepäcktaschen sicher gegen Verrutschen und ist auch prima geeignet für das Verzurren der Gepäckrolle. Die Packtaschen sind besser als erwartet; bauen schlank (erweitert sind sie natürlich breiter aber auch ein wenig labbriger) und sind schnell montiert. Bei Regen muss man halt alles wasserdicht verpacken. Letztendlich kosten die nur ein Viertel des Preises der Yamaha Koffer, für mich ein guter Kompromiss und die Halterungen fallen ohne die Taschen kaum auf.


    Später vielleicht mehr...

    Martin

    Fahren :daumen-hoch und fahren lassen :rocker.

  • Gratuliere zum neuen Motorrad!

    Die Verknappung an Motorrädern ist schon bemerkenswert und für die Händler sicherlich ein großes Problem

    BMW R1200R LC, 2017-2019 Tracer700, vorher Kawasaki ER-6n

  • Guten Morgen.
    Im Großen und Ganzen kann ich Dein für und wider nachvollziehen.

    Mit Tragesystemen von Drittanbietern habe ich meist meine Probleme
    optischer Natur. Sind die Koffer/Taschen ab, sieht es oft aus wie "Porsche mit Anhänger".
    Daher fiel meine Wahl auf die GT-Version. Die Seitenwindanfälligkeit ist mir zur Himmelfahrtstour
    auch sehr unangenehm aufgefallen.


    Bezüglich des Tankrucksacks habe ich mich für den Daypack Pro von SW Motech entschieden und
    finde diesen in allen Belangen als ausgezeichnete Wahl. Er kollidiert nicht mit irgendwelchen

    Armaturen oder Extremitäten des Mopeds.


    Ich habe mich nach jahrelanger enttäuschender Nutzung von

    TomTom Rider ebenso entschieden auf Calimoto zu wechseln und hierfür die oberen Befestigungspunkte

    der Scheibe gewählt. Hier dient die GIVI FB2130 NAVIGATIONS- HALTERUNG zur Befestigung einer Navihalterung.
    Die Stromzufuhr geschieht über die installierte USB-Buchse aus dem Yamaha-Zubehör.

    Ich hab schon mehr vergessen, als Du jeh erlebt hast!

  • Danke Sandro,

    die GT hätte ich auch gern genommen, war aber nicht im Angebot, es gab eine mit Givi Koffersatz, Tankrucksack und Topcase für kleines Geld, aber die Träger der Koffer waren sehr ausladend und der Tankrucksack zu klein. Auch der daypack pro wäre mir zu klein. Die Navihalterung wäre eine Option, danke.

    Gruß

    Martin

    Fahren :daumen-hoch und fahren lassen :rocker.

  • Ich finde die alternativen Koffersysteme auch nicht schick und meine Tracer ist auch keine GT. Ich habe mir aber die originalen Koffer für schmales Geld gebraucht bei Ebay-Kleinanzeigen geholt. Der Anbau ist kinderleicht und dann wurde meine quasi zur GT :)

    Wäre vielleicht mal einen Versuch wert.

  • Eine Traktionskontrolle hielt ich bisher auch für obsolet.


    Allerdings jetzt nach der Fahrt über Albanien nach Griechenland muss ich sagen, dass sie hier einem den Tag wesentlich erleichtern würde.


    Man weiß hier nie, ob der Asphalt hält oder nicht.


    Über die Federung, auf den sehr schlechten Strassen, kann ich mit 72 kg, nicht klagen.

  • Ja, das kann ich mir in Albanien vorstellen, das ist dann ja quasi eine Geländefahrt. :lachen Und in Sachen Federung, hast Du mir gegenüber natürlich einen Gewichtsvorteil :winken .

    Martin

    Fahren :daumen-hoch und fahren lassen :rocker.

  • Am letzten Sonntag fand die erste Ausfahrt durch das Weserbergland mit den Großen statt, alle locker im dreistelligen PS- und vierstelligen ccm-Bereich. Deister, Rühler Schweiz, Ottensteiner Höhe, Solling, etc., 310 km. Pause in der Villa Löwenherz, Lauenförde.

    Bis zur Pause fuhr ich in der Mitte und es klappte prima, lediglich beim Angasen nach den Ortschaften ergab es die ein oder andere kleine Lücke, die aber rasch zugefahren wurde. Motormäßig war also alles gut, besser als erwartet. Nun muss ich aber auch sagen, dass ich den Motor im höheren Bereich bewegt habe (einmal voll in den Begrenzer gejagt, da war wohl der falsche Gang drin :freak). Der 6. Gang hatte auch viel Pausenzeit :kaffeemuede. Das etwas schwammige Verhalten der Gabel trat deutlich in den Vordergrund. Ab der Pause bin ich vorweg und es gab - im kurvigen Geläuf - Lücken hinter mir. Die Schräglagenfreiheit ist immer noch ein Thema, aber ohne Gepäck und Sozia sowie harten Einstellungen von Gabel und Federbein war es hier noch ok.

    O-Ton der Mitfahrer: das wäre ja ein munterer Geselle. Dem stimmte ich mit einem Lächeln zu.

    Vorher und nachher getankt, Verbrauch 4,5 L.

    Martin

    Fahren :daumen-hoch und fahren lassen :rocker.

  • Löwenherz ist klasse.

    Da war ich vor 40 Jahren mal. 1x mit der XT vor 7 Jahren.

    Stimmt, aber da war wider Erwarten wenig los. Das hat uns erstaunt. Wetter war ja super.

    Martin

    Fahren :daumen-hoch und fahren lassen :rocker.

  • Weiter geht es mit dem Erfahrungsbericht auf der Tracer:

    Erkenntnisse der ersten Regenfahrt, die man auch als solches bezeichnen kann. Ca. 350 km Nässe, davon 150 km Regen, teilweise kühl.

    Der Windschild war in der Tat in der hohen Stellung wirksam, die Jacke wurde geschützt, aber auch die von mir geschriebenen Turbolenzen nerven dann. Das war aber mit den Ohrenstöpseln gut zu ertragen.

    Von den Handshields habe ich mir mehr versprochen. Die Handschuhe waren nass und wurden mit der Zeit klamm. Mit der Griffheizung war aber auch das ok.

    Da die Tracer sehr schmal baut, kam die Nässe an die Oberseite der Oberschenkel. Sehr ungewohnt für mich. Die waren bei bei Sprint GT durch die Vollverkleidung immer sehr gut geschützt.

    Schuhe: Da war ich immer der Meinung, dass die noch dicht wären, aber weit gefehlt. Auch die bekamen viel Regen ab. Letztendlich sind die, weil alt, nicht mehr dicht. Erkenntnis: brauche neue Stiefel.

    Mit dem Satz PiRo 4 brauchte ich einige Zeit um Vertrauen aufzubauen. Aber die sind ok, bin aber der Meinung, dass neuere Reifen eine Spur besser sind.

    Traktionskontrolle habe ich nicht vermisst.

    Diverse ABS-Tests, allerdings nicht in Schräglage: Prima, sehr feine Eingriffe des ABS.

    Packtaschen: Ich war mit den SW Blaze Pro unterwegs und die Klamotten hatte ich in dazugehörigen Innentaschen gepackt. Die Sachen waren nicht nass, aber etwas klamm; nutze künftig Plastiktüten.


    Fazit: Mit der Tracer kommt man halbwegs gut durch den Regen, aber die besseren Schlechtwettermoppeds waren die Sprint GT, die VFR 800 und die R1100S.

    Martin

    Fahren :daumen-hoch und fahren lassen :rocker.

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